Philosophie
Ursula Bellamy schließt sich mit ihrer Überzeugung den Erkenntnissen des radikalen Konstruktivismus an. Ihr therapeutischer Ansatz, sowie auch der für Coaching basiert auf folgenden
Grundannahmen aus dem radikalen Konstruktivismus: 1. Der Mensch ist ein geschlossenes System, nur über die Sinneskanäle dringen Informationen aus der Umwelt in dieses System.
2. Jeder konstruiert für sich seine Welt. 3.
Anstelle einer Wahrheitssuche tritt als wesentliches Kriterium die Nützlichkeit. Eine Konstruktion ist nur so lange variabel, wie sie bei der Konfrontation mit der Umwelt keinen Anstoß verursacht. Dies beinhaltet, dass stets mehrere
verschiedene Möglichkeiten existieren, wie eine solche Konfrontation erfolgreich erfolgen kann. Kommt es zu einem "Anstoß", einem Widerspruch mit der Umwelt, so
muss die Konstruktion entsprechend modifiziert werden.
4. Es handelt sich nie um endgültige Wahrheitsaussagen, schließlich kann die Übereinstim- mung mit einer
Wahrheit, über deren Existenz keine endgültigen Aussagen getroffen werden können, nicht überprüft werden.
Entscheidend ist ebenfalls, dass die Bedeutung von wissen- schaftlichen Aussagen sich stets an dem jeweiligen Kontext, zum Beispiel einem gesellschaft- lichen Kontext, messen lassen muss.
5. Das Aufdecken des Begründungsanspruches ist wesentlicher Teil von Wissenschaft. Es muss nachvollziehbar sein, inwieweit das Kriterium der Nützlichkeit im Rahmen eines Erkenntnispro- zesses erfüllt wird. 6. Die Auffassung eines Individuums als abgeschlossenes System und die biologische Bedingtheit der
Informationsaufnahme und des Erkennens könnten nahelegen, dass der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen sei
und keine Möglichkeit des In-Kontakt-Tretens mit der Umwelt habe. Im Konstruktivismus jedoch hat der Mensch die
Möglichkeit, über die Kommunikation mit anderen Individuen zum Teil an deren Konstruktionen Teil zu haben. Mehr
noch: Es können auch gemeinsame Welten konstruiert werden, die dann für die an der Kommunikation Beteiligten als wahr aufgefasst werden.
7. Kann eine Haltung durch verschiedene Konstruktionsansätze erhalten werden, wenn sie also einem intersubjektiven
Vergleich standhält und einem anderen Individuum eine vergleich bare Konstruktion mit ähnlichem Ergebnis gelingt,
wenn dazu Viabilität bei der Konfrontation mit der Umwelt vorliegt, dann sind dies Kriterien für Objektivität.
Grafiken und Text teilweise entnommen aus der Forschungsstelle für Gesundheitserziehung - Uni Köln
www.uni-koeln.de/ew-fak/For_ges/ Im Coaching- oder Therapieprozess geht es somit nicht um “Wahrheitssuche
” , sondern um Lösungssuche. Dabei unterstützt die Therapeutin den Klienten/die Klientin darin, eigene Lösungen zu finden.
Verhaltensprobleme entstehen immer in der Konfrontation mit der Umwelt. Es bestehen entsprechend des konstruktivistischen Konzeptes also immer mehrere Lösungsmöglichkeiten
Neue Verhaltensmuster können auf die Frage der Nützlichkeit hin entwickelt und erprobt werden. In Beziehungen
zwischen Menschen ist somit die Kommunikation und vor allem die Gestaltung der Kommunikation von grundlegender Wichtigkeit. Selbst innerhalb eines Menschen spielt die Kommunikation mit Teilen seiner eigenen Persönlichkeit die wesentlichste Rolle in einem Veränderungsprozeß. |